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physikalisches Grundwissen

24. April 2010

Im Lupo Cattivo Blog war diese kurze Auslassung zu lesen:

Die Experten-Doktrin , es handele sich um ganz normale Kondensstreifen, beleidigt einfach mein physikalisches Grundwissen.

Was passiert beim “Kondensstreifen” und warum muss dieser zwangsläufig innerhalb von Minuten verschwinden ?

  • Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte (Grundwissen Physik)
  • an der aus dem Flugzeug-Triebwerk austretenden heissen Luft bildet sich dort ein Bereich mit höherer Luftfeuchtigkeit als in der nicht erhitzten Umgebungsluft
  • diese Bereiche mit höherer Luftfeuchtigkeit erscheinen optisch als Wölkchen = Kondensstreifen
  • sie kühlen sich jedoch innnerhalb von Minuten -abhängig von der Normallufttemperatur- wieder ab auf den Wert der Umgebungsluft.
  • die zeitweise höhere Luftfeuchtigkeit im erhitzten Bereich kann nicht gehalten werden, die Feuchtigkeit verteilt sich wieder dorthin, wo sie vorher schon war, in die gesamte Umgebungsluft = Kondensstreifen ist verschwunden.

Wenn also Streifen stundenlang am Himmel bleiben, kann man dies unmöglich mit “Kondensation” erklären, es müssen Partikel sein, die temperatur- und kondensations-unabhängig eine Wolke bilden.
Aluminium eignet sich dazu, weil es farblich der Wolke ähnelt.
Man sieht aber beim chemtrailing häufig auch “schmutzige braun-orange Wolken
Man kann annehmen, das situationsbedingt unterschiedliche Materialien versprüht werden; dies kann auch einfach deshalb erforderlich sein, um dem Normalbetrachter “verschiedene” unterschiedliche Wetter zu simulieren.

Ja, physikalisches Grundwissen wäre schön, nicht wahr?

Dazu würde unter anderem die Fähigkeit gehören, zwischen „Luftfeuchte“ und „Kondensation“ zu unterscheiden.

  • Luftfeuchte ist gasförmiges Wasser, Wasserdampf¹ also, das in der Luft „gelöst“ ist, Luftfeuchte ist unsichtbar, wie jeder bestätigen wird, der ein Hygrometer sein eigen nennt: auch bei einer relativen Luftfeuchte von 99% ist noch kein Nebel sichtbar.
  • Kondensation tritt auf, wenn eine relative Feuchte von 100% erreicht ist und die Luft kein weiteres gasförmiges Wasser mehr aufnehmen kann. Wenn ich derart gesättigter Luft weiteren Wasserdampf zuführe bilden sich winzige Tröpfchen flüssigen Wassers, die wir als Nebel oder Wolken wahrnehmen.

Durchaus korrekt ist aber, daß warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, als kalte. Pro Kubikmeter warmer Luft kann also mehr Wasserdampf, also Wasser in gasförmiger Form „gebunden“ sein als pro Kubikmeter kalter Luft. Dies ist nicht sichtbar!

Was geschieht also hinter einem Flugzeugtriebwerk?

Wie alle Verbrennungsmaschinen, die Öle verbrennen stößt so ein Flugzeugtriebwerk im Wesentlichen zwei Verbrennungsprodukte aus: CO2 und H2O. CO2, Kohlendioxyd, verteilt sich, wie hinlänglich bekannt, in der Atmosphäre und mischt sich dort mit den anderen vorhandenen Gasen. H2O, Wasser jedoch, verhält sich anders.

Der Abgasstrahl ist zuerst einmal heiß, kann also sehr viel Wasserdampf aufnehmen. Der Sättigungsgrad der Triebwerksabgase lässt sich anhand der Temperatur (mehrere 100° direkt im Abgasstrahl), des Druckes (schwieriger, da der sich schnell an den geringen Außendruck in 10000m Höhe angleicht) und der Gaszusammensetzung berechnen, er ist allerdings nicht von wirklich großer Bedeutung, denn:

  • enthält das Gasgemisch im Triebwerksstrahl mehr Wasser als einer Sättigung von 100% entspricht, so wird noch im heißen Abgasstrahl kondensiertes Wasser in Tröpfchenform vorkommen
  • enthält es weniger Wasser als einer Sättigung von 100% entspricht. so ist der Abgasstrahl erstmal klar, d.h. ohne Wasser in Tröpfchenform

Im zweiten Fall wird sich das Triebwerksabgas nun mit der Umgebungsluft mischen. Diese ist sehr kalt (in der Größenordnung von -40 bis hin zu -60°C). Das entstehende Gemisch wird sehr schnell abkühlen und dabei, da ja kalte  Luft weniger Wasser aufnehmen kann als warme Luft, schnell den Sättigungspunkt erreichen. Egal, wie hoch die relative Feuchte der heißen Luft vorher war, bei dieser Temperatur ist eine Feuchte von 100% erreicht, die Luft enthält also genausoviel Wasser, wie sie maximal aufnehmen kann. Eine weitere Abkühlung wird unweigerlich dazu führen, daß ein Teil des Wassers kondensiert, sich also sichtbare Wolken bilden.

Da wir es bei diesem Prozess nicht nur um die Abkühlung einer in sich abgeschlossenen Luftmenge zu tun haben, sondern mit einem Mischungsprozess zweier Luftmassen (die Abgase und die Umgebungsluft) ist ein zweiter Faktor wichtig: wie hoch ist die relative Feuchte der umgebenden Luftmasse. Ist sie sehr trocken, so wird das entstehende Gasgemisch immer noch eine relativ hohe Wassermenge aufnehmen können, im Extremfall das gesamte, vom Triebwerk ausgestoßene Wasser, dann entsteht kein Kondensstreifen. Ist sie sehr feucht, so wird das Gasgemisch sehr wenig zusätzliches Wasser aufnehmen können, es entsteht ein Kondensstreifen, der sich lange Zeit nicht auflöst.

Wo liegen die Denkfehler im zitierten Blogeintrag?

  • Luftfeuchtigkeit ist nicht sichtbar, was wir sehen ist kondensiertes Wasser!
  • Die sichtbaren Kondensstreifen entstehen nicht dadurch, daß warme Luft mit höherem Feuchtegehalt sichtbar ist, sondern gerade im Gegenteil dadurch, daß sich warme Luft abkühlt und die darin enthaltene Feuchte kondensiert!
  • Das in den Kondensstreifen sichtbare Wasser war nicht vorher schon in der Atmosphäre, es ist durch die Verbrennung von Kohlenwasserstoffen entstanden.
  • Kondensstreifen lösen sich auf, wenn genügend Luft vorhanden ist, um das überschüssige Wasser aufzunehmen. Dies ist abhängig von der allgemeinen Luftfeuchte in der betroffenen Luftschicht. Kondensstreifen halten sich also dann stundenlang, wenn sie sich in einer Luftmasse gebildet haben, die schon vorher einen hohen Feuchtegehalt hatte

¹Der physikalische Begriff „Wasserdampf“ ist übrigens nicht deckungsgleich mit unserem umgangssprachlichen Begriff. Wenn wir in der Umgangssprache von Dampf sprechen, dann meinen wir ja die weißen Wölkchen und Nebel, die aus Kochtopf und Dampflokomotive entweichen. Das ist bereits (oder noch) flüssiges Wasser, Dampf im physikalischen Sinn beschreibt gasförmiges Wasser, welches nicht sichtbar ist.

sechs Tage ohne Chemtrails?

21. April 2010

Da entscheide ich mich, einen Blog über das Phänomen „Chemtrails“ zu schreiben und was geschieht? Der gesamte Flugverkehr über Nord- und Mitteleuropa wird eingestellt. Ich bin erschüttert über die Macht, die ich offensichtlich über das System habe.
Wenn wir den Chemtrail-Verschwörern glauben, dann dient die angebliche Beimischung und Ausbringung von Chemikalien via Flugzeug ja der Narkotisierung der Bevölkerung. Wir sollen gefügig gemacht werden, damit die Weltregierung ungestört ihren sinistren Plänen nachgehen kann. Offenbar ist die Langzeitwirkung der beigemischten Beruhigungsmittel grandios, denn auch in diesen Tagen ohne jede Flugzeugspur am Himmel kam es meines Wissens nach in keinem Europäischen Land zu Ausschreitungen, zu Revolutionen oder auch nur zu einem großen Nachdenken. Nein, alles war still wie immer, vielleicht sogar stiller, da ja der Fluglärm fehlte.
Man könnte nun sicher spekulieren, daß dieser ganze Vulkanausbruch selbst nur ein Experiment der Weltregierung war. Es könnte ja sein, daß er gezielt herbeigeführt wurde, um so die selben Wirkstoffe mit der vulkanischen Asche weit über Europa zu verbreiten. Gleichzeitig war natürlich das Ausbringen dieser Stoffe per Flugzeug nicht mehr nötig, der Flugverkehr konnte also ausgesetzt werden. Eine wahrlich glaubwürdige Erklärung für das Ausbleiben von Revolten in der vergangenen Woche, doch.
Das Wunderbare an solchen Theorien bleibt doch nach wie vor: nichts ist zu abstrus, um nicht auch in ein derart abgehobenes Gedankengespinst eingebaut zu werden und leider scheinen derartige Gedanken immer wieder auf fruchtbaren Boden zu fallen.
Ich bin gespannt, wie sich diese Zeit in den entsprechenden Blogs niederschlagen wird.

vom Bösen am Himmel

9. April 2010

_MG_6292etwas Dunkles, Böses geschieht in der Welt, das jedenfalls denken manche Menschen, wenn sie nach oben blicken und ein Bild wie dieses sehen. Die Spuren hochfliegender Flugzeuge am blauen Himmel, manche bleistiftdünn, andre breit und scheinbar wie ein Schleier. Manche verwirbelt, andre gerade, die meisten weiß gegen den Hintergrund manche aber scheinbar schwarz. Was geht da vor sich?

Wir lernen gemeinhin wenig über eines der Theman, über das die meisten Gespräche geführt werden: das Wetter. Wer weiß schon, was der (trocken- oder feucht-) adiabatische Hebungsgradient ist, was der Schichtungsgradient, was es mit der Prozentangabe der Luftfeuchte wirklich auf sich hat und wie das alles (und mehr) zusammen eben das Wetter mit all seinen Phänomenen ergibt.

Wer aber kein Wissen hat, das Verständnis stiften könnte, der ist auf Spekulation angewiesen, und da wir Menschen nunmal gewohnt sind, willentlich handelnde Wesen zu sein, sehen wir auch hinter unerklärlichen Phänomenen die Folgen willentlichen Handelns. Viele Religionen haben ihren Ursprung darin.

Keine Religion, aber von ähnlicher intellektueller Grundlage ist das Thema „Chemtrails„, das offenbar jede Menge Anhänger auf der ganzen Welt findet. Menschen schauen zum Himmel, sehen unterschiedlich ausgeprägte „Flugzeugspuren“ und anstatt daraus Schlüsse über das Wettergeschehen in der oberen Troposphäre zu ziehen gehen sie davon aus, daß hier gezielt Chemikalien eingebracht werden, mit dem Zweck, eine Wirkung zu erreichen.

Welche Wirkung das sein soll, dessen sind sich einige sehr sicher: die Menschheit soll gefügig gemacht werden. Je nach Ausprägung ist hier mal eine Weltregierung am Werk, mal die zionistische Verschwörung, mal die CIA und wer weiß was sonst noch. (Hitlers geheime U-Boots- und UFO-Basen am Nordpol scheinen in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen zu sein)

Fröhlich mischen die Chemtrail-Verschwörungstheoretiker Elemente anderer Theorien zusammen mit wilder Spekulation und erstaunlichem Unwissen zu einem lustigen Cocktail. Lustig allerdings nur so lange, wie der Leser selbst genug von den atmosphärischen Vorgängen und der Fliegerei versteht, um den Unsinn mit eigenem Wissen zu entlarven.

Leider aber gehört genau dieses Wissen für die meisten von uns nicht zur Allgemeinbildung, und so mischen sich wirkliche Information mit Spekulation und tatsächlichem Unsinn und auf eigenen Kongressen erzählen Menschen darüber, was ihnen am Himmel so seltsam vorkommt. Wer sich die vorgelegten „Fakten“ ansieht und wenigstens über Grundkenntnisse der Meteorologie und Fliegerei verfügt, wird über 90% sofort als blanken Nonsens erkennen.

Ein bißchen will ich auf https://wolkenfahnder.wordpress.com helfen, zu vestehen, was wir dort am Himmel sehen, denn in fast allen Fällen ist das reines Wasser (nicht Wasserdampf, der ist überall und unsichtbar).

Die Idee ist, Fotos von typischen „Chemtrail-Phänomenen“ zu liefern und mit ihnen gleich die Erklärung dafür. Dazu gehört in vielen Fällen z.B. eine Wetterkarte, auf der Frontensysteme erkennbar sind, die Feuchteverteilung in den oberen Luftschichten, Wind und hochreichende Konvektion etc. Wie gesagt: die allermeisten solchen Erscheinungen lassen sich schnell und mit wenigen Grundkenntnissen erklären.

Auf dem Foto dieses Artikels sieht man schon eines der typischerweise von Chemtrail Anhängern zitierten Merkmale: rechts neben dem mittleren, scharf abgegrenzten Kondensstreifen findet sich ein schwächerer, dunkler Streifen. Da Wasser ja, wie wir sehen, und gemeinhin von Wolken kennen, weiße Spuren hinterlässt, kann das also kein Wasser sein. Soweit korrekt. Der Dunkle Streifen ist tatsächlich nicht an dieser Stelle eingebrachtes Wasser. Aus Wasser besteht er dennoch, denn er ist schlichtweg ein Schatten. Das Foto liefert die Erklärung gleich mit, da die Sonne mit darauf abgebildet ist: das Flugzeug links davon fliegt offenbar oberhalb der breitgelaufenen, älteren Kondensstreifen darunter. Sein eigener, dichter und noch scharf abgegrenzter Kondensstreifen wirft daher einen Schatten auf diese Schicht und, oh Wunder, dieser erscheint uns als dunkler Streifen. Es fällt uns schwer, auf diese Distanz, das Geschehen spielt sich hier sicher in acht bis 10 km Höhe ab, relative vertikale Abstände zu schätzen, aber aus Sonnenstand und dem Abstand des Schattens vom Kondensstreifen ließe sich sogar errechnen, um wieviel das Flugzeug über der dünnen Wolkenschicht fliegt. Das ist sicher sehr viel weniger aufregend als „dort fliegt ein unsichtbares Flugzeug, das eine dunkle Flüssigkeit versprüht“ aber es ist eine Erklärung, die sofort überprüfbar ist, mit allen beobachtbaren Fakten übereinstimmt und das Phänomen perfekt erklärt. Als Einstig hat sie zudem den Vorteil, daß sie ohne viel Wissen über meteorologische Zusammenhänge auskommt.

Daß sich vorgestern übrigens so lang anhaltende, breitlaufende Kondensstreifen bilden konnten erklärt die Darstellung links: je dunkler die Färbung, desto feuchter die Luft an dieser Stelle. Von westen floß also sehr feuchte Luft in der Höhe ein, was die Bildung von Wolken allgemein begünstigt und in diesem Fall die Auflösung der Kondensstreifen verlangsamt.

Alsdann, ich will versuchen, ein bißchen des Bösen aus der Welt zu verbannen und es mit meinem (wenigen) Wissen zur Wetterbildung zu ersetzen. Mit etwas Glück finde ich ein paar Mitstreiter, die mir helfen, den Wolkenfahnder Blog zu bestreiten.